Schwangerschaftsdiabetes

 

Auch mich hat die Diagnose Gestationsdiabetes betroffen und zugegebener Maßen auch getroffen. Zunächst schwebt da ja nur ein nicht greifbarer Wert im Raum, was der bedeutet war für mich nicht ansatzweise abzusehen. Was mich gleich zu Beginn ziemlich getroffen hat, war die Aussage meiner Frauenärztin: „Na du denkst dir ja auch in jeder Schwangerschaft was Neues aus.“ Das war zwar nur als Scherz gemeint, allerdings hat sie damit ein kleines Gedankenkarussell ausgelöst. Ich hatte sofort das Gefühl, dass dieser Diabetes vollkommen meine eigene Schuld ist. Ich fragte mich, ob ich es verhindern hätte können, hätte ich nur mehr auf meine Ernährung geachtet, mich mehr bewegt etc. Natürlich hätte das nichts geändert, allerdings ist es schwer, dieses Gefühl vollständig aus dem Kopf zu verbannen.
Aber zurück zu den Fakten. Sowohl die Werte des kleinen, als auch des großen Zuckertests fielen nicht sehr gut aus und ich wurde zur Diabetologin geschickt. Ich hatte mich zum Glück vorher schon mit Dingen wie Low Carb, gute und schlechte Kohlehydrate und glykämischer Index beschäftigt. Denn mit der Anweisung, einfach mal auf Zucker zu verzichten, wäre ich sonst nicht weit gekommen. Zucker ist ja leider fast überall enthalten und in der Schwangerschaft auf all das leckere Gebäck, das frische Obst im Sommer oder jegliche süße Leckerei zu verzichten, macht einfach keinen Spaß. Noch dazu bin ich ein absoluter Genussmensch, für mich ging also ein Stück Lebensfreude verloren. Ich fragte mich daher ständig, ob es nicht einfacher ist, Insulin zu spritzen und weiter zu essen, wie bisher. Als ich meiner Diabetologin diese Frage stellte, bekam ich als Antwort ein klares JA.  Daher drückte sie mir ein Spritzenset in die Hand und schickte mich zu ihrer Diabetesberaterin. Diese erklärte mir in 15 Minuten, wann und wie ich die Spritzen zu handhaben habe und mit wie vielen Einheiten ich starten sollte. Ich dachte noch, wie schön einfach das ist. Das ist es allerdings so gar nicht! An dieser Stelle kann ich auch nur eine engmaschige Beratung empfehlen. Denn ich bin nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten jetzt so weit, dass ich mich immer noch hauptsächlich zuckerfrei ernähre und mir nur mal eine größere Portion Vollkornnudeln mit Hilfe einer Insulinunterstützung gönne. Denn bis ich rausfinde, wie viele Einheiten ich für welchen Eisbecher oder Obstsalat spritzen muss, sind die verbleibenden 4 Wochen auch vorbei. Und da ich ja immer versuche, das Positive zu sehen, freue ich mich einfach darüber, dass ich so nicht wirklich viel zunehme. Allerdings kann das ja auch nach der Schwangerschaft noch kommen, wenn ich (hoffentlich!!) wieder alles essen darf.
Ein sehr großer Nachteil ist allerdings, dass wegen dieser Diagnose -bzw. weil ich jetzt als Insulinpflichtig gelte!- die Geburt spätestens am errechneten Entbindungstermin eingeleitet wird. Hätte mir das vorher jemand gesagt, hätte ich mit Sicherheit nicht um Insulin gebeten, denn auf eine Einleitung kann ich wirklich verzichten. Der Grund dafür ist mir auch absolut nicht klar, denn auch wenn das Einleiten sich fünf Tage hinziehen sollte, wird erst mal abgewartet (natürlich immer unter der Voraussetzung dass auch sonst alles in Ordnung ist). Wieso wird also nicht erst mal fünf Tage unter Beobachtung gewartet, ob es nicht vielleicht doch noch von selbst los geht? Das liegt wohl an einer Richtlinie, die aufgestellt wurde und so lange gilt, bis eine andere sie ablöst. So bleibt mi also nur zu hoffen, dass der kleine Wurm sich einfach schon früher auf den Weg macht und ich somit um eine Einleitung herum komme und auch diese ganze Diabetesgeschichte bald wieder los bin!